Wann ist Frühlingsanfang?
Der 1. März ist auf der Nordhalbkugel der meteorologische Frühlingsanfang, während der astronomische Frühlingsanfang auf das Datum der Frühlingstagundnachtgleiche rund um den 21. März fällt (nach der die Tage wieder länger werden). Als Kind hat mich das immer verwirrt: Warum gibt es unterschiedliche Daten für den Frühlingsanfang? Und wäre es nicht viel logischer, wenn das Jahr mit dem Frühlingsanfang beginnen würde? Immerhin heißt es ‚Frühling, Sommer, Herbst und Winter‘ …?
Dabei hängen die beiden Frühlingsanfänge (der astronomische und der meteorologische) direkt zusammen: Der meteorologische Frühlingsanfang fällt auf den ersten Tag des Monats, in dem der astronomische Frühlingsanfang liegt (analog dazu auch bei den anderen Jahreszeiten). Da dieser von Jahr zu Jahr variiert, ist für die Meteorologie die Beobachtung und Analyse von Daten über einen festen Dreimonatszeitraum, beginnend mit dem 1. des Startmonats, besser vergleichbar.
Um Berechnungen anderer Art handelt es sich bei den variablen christlichen Feiertagen, die ebenfalls vom Frühlingsanfang abhängen. Dieser ‚religiöse‘ Frühlingsanfang ist trotz der tatsächlichen Variabilität der Frühlingstagundnachtgleiche fix auf den 21. März festgelegt. Der dadurch definierte erste Frühlingsvollmond bestimmt das Osterdatum und dieses wiederum die Daten der anderen variablen christlichen Feiertage – alles eine große Rechnung, die jedes Jahr unterschiedliche Ergebnisse liefert.
Neben dem meteorologischen, astronomischen und religiösen Frühlingsanfang gibt es zudem noch den phänologischen Frühlingsanfang, der durch bestimmte, beobachtbare Wachstums- und Blütestadien in der Natur definiert ist und je nach den spezifischen Charakteristika des Wohnortes unterschiedlich ist. Statt der vier Jahreszeiten ‚Frühling, Sommer, Herbst und Winter‘ gibt es in der Phänologie insgesamt 10 unterschiedliche Jahreszeitphasen (je 3 für Frühling, Sommer und Herbst – plus Winter). Insgesamt also noch viel mehr Anfänge, die nicht einfach festgelegt sind, sondern entdeckt werden müssen.
Alle unterschiedlichen Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winteranfänge läuten auf ihre Art eine Beobachtungs- bzw. Erlebnisphase eines ganz bestimmten Aspekts des Jahres ein, der dem (Er-)Leben zusätzliche Facetten verleiht, wenn man sie nur wahrnimmt. All diese Facetten aufzuzeigen und die Freude daran zu beschreiben, ist das Ziel meines Jahreszeiten-Blogs, dessen allererster Eintrag das hier ist. Und ich freue mich so, dass es endlich losgeht!
… Als ich später übrigens lernte, dass das Jahr zu Zeiten des Römischen Reiches nach dem Julianischen Kalender tatsächlich am 1. März begonnen hat und dies später aufgegeben wurde, hat das mein kindliches Bedürfnis nach ‚Jahreszeiten-Logik‘ ein wenig befriedigt; und auch die Tatsache, dass unsere Monatsnamen September, Oktober, November und Dezember auch heute noch gemäß der alten Nummerierung (7, 8, 9, 10) benannt sind, finde ich systematisch zwar total unpassend, aber hinsichtlich der leicht trotzigen Hartnäckigkeit auch großartig.
Foto: Juliane Ameringer

